Infos eines Metallurgen zum Thema V2A


[ Rostschutz und Restauration (schweißen, lackieren ...) ]


Geschrieben von Ha-Jü am 07. Juli 2000 13:49:01:

Hallo allerseits,

mit Einverständnis von Leo möchte ich Euch hier seine Antworten zum Thema V2A nicht vorenthalten:


Geschrieben von Leo
Als Antwort auf: VA-Schrauben: wo sinnvoll, wo nicht? geschrieben von Ha-Jü

An alle Rostgegner
Ich bin Metallurge bei Krupp Edelstahlprofile GmbH in Siegen. Zu rostfreien Stählen gibt es bei uns das ganze Know
- How. In Kürze nur folgendes:
Die "normalen" rostfreien Schrauben (V2A) haben die Festigkeitsklasse 70. Das ist eine 20% geringere Festigkeit als eine 8.8 Schraube. Der Vorteil liegt darin,daß die V2A Schraube nichts von Ihren Marterialeigenschaften verliert, da sie korrosionsbeständig ist! (Was glaubt Ihr wohl, welche Festigkeitswerte eine verrostete 10 Jahre alte 8.8 Schraube hat ?;-() Also V2A Schrauben bedenkenlos nehmen, wo keine hohen Drehmomente vorgeschrieben sind. 70 NM hält jede 8 mm V2A Schraube. Wenn es um Achsbefestigungen Radschrauben oder generell auch um höhere Festigkeitsklassen geht, dann laßt die Finger von V2A. Der gute Werkstoff hat den Nachteil der Kaltverfestigung. Das heißt bei einwirkenden Kräften verfestigt sich der Werkstoff und wird spröde. Durch gleichzeitigen Verlust der Zähigkeitseigenschaften kann dann die Schraube brechen. Aus diesem Grund ist V2A nicht für Verbindungen geeignet, die hohen dynamischen Belastungen ausgesetzt sind. Als Beispiel: An meinem 2,1 wbix sind alle außenliegenden Schrauben aus V2A. Die Schwungradschrauben aber zum Beispiel nicht. Da habe ich 12.9 Schrauben aus Stahl genommen. Auch die Motoraufhängungen und vor allem alle Auspuffverschraubungen sind in rostfreien Schrauben ausgeführt. Hierbei beachten: V4A Schrauben sind gegen chemische Korrosion beständiger als V2A. Noch besser: Werkstoff 1.4404 low Carbon,aber leider nicht überall zu bekommen. Bei allen Heißverbindungen immer die Schrauben mit Hochtemperaturpaste (z.B. Kupferfett) einschrauben. Generell für alle Schraubverbindungen in Leichtmetall wo kleine Drehmomente gefordert sind: mit Loctite sichern ist besser als Federringe unterlegen.
Thema Schweißen: Generell sind schwarz/weiß Verbindungen in korrosiver Umgebung unvorteilhaft. Es rostet bei direktem Kontakt immer der unedlere Partner, also der normale Stahl. Das gilt auch für Schweißverbindungen! Das heißt die Schweißnaht wird professionell immer in dem höherwertigen Werkstoff als der Grundwerkstoff ausgeführt. Eine gute Schweißverbindung wird nie in der Naht versagen sondern immer an einer anderen, schwächeren Stelle! Also rostfrei schweißen immer mit rostfrei Schweißdraht und Argon Schweißgas oder Corgon (reicht völlig).


Die Auspuffschrauben unterliegen hohen thermischen Belastungen.Besonders die vielen Heiß/Kalt-Zyklen lassen das Material ermüden.In erhitzten Zustand wirkt Spritzwasser von den Rädern sehr aggresiv, da es sofort verdampft und die im Wasser gelösten Salze auf den Schrauben antrocknen. Diese Ablagerungen haben dann zum Beispiel im Morgentau eine Menge Zeit schön mit der Lutfeuchtigkeit zusammen das Eisen zu Eisenoxid (Rost) umzuwandeln.
Die dynamische Belastung ist dagegen eher vernachlässigbar. Eine hohe dynamische Belastung ist zum Beispiel ein Schlag auf die Befestigungsschrauben eines Achslenkers, wenn Du in ein tiefes Schlagloch fährst, oder mit mehr als Schrittgeschwindigkeit einen Bordstein hochfährst. Die Belastungen des Fahrwerks stehen in keiner Relation zu den Belastungen an äußeren Motoranbauten.


Zur Frage, ob RSH - Schrauben im Normalblech zu stärkerer Korrosion führen:
Aus eigener Erfahrung rostet das Ganze weniger als Blechschraube in Blech. Oft
beginnt der Rost an der Schraube und nicht am Blech, das kommt daher, daß man
durch das schrauben an sich und mit dem Wekzeug die Oberfläche (z.B.
Zinkschicht) der Schraube beschädigt. Bei RSH-Schrauben fällt das schonmal weg.
Rostschutz an solchen Verbindungen für das Blech ist natürlich obligatorisch.


Soweit die Infos von Leo.

Gruß

Ha-Jü





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