Rost in Fugen und Spalten
[ Forum für Rostschutz und Fahrzeugrestauration ]
Geschrieben von Thomas Döring am 24. August 2000 23:55:24:
Als Antwort auf: Re: Wie bekämpfe ich den Kantenrost am besten ? geschrieben von Udo am 22. August 2000 18:15:52:
Ich bin ja ein erklärter Fan von BOB Rostversiegelung, die es anscheinend auch immer noch zu kaufen gibt (siehe "BOB" oben). Zum anschließenden Grundieren (in Ritzen und Spalten schön satt mit einem kleinen Schulmalpinsel) habe ich schon diverse Rostschutzgrundierungen mittlerer Preislage durchprobiert und bis auf Loewe Rostprimer eigentlich keine Ausreißer dazwischen gehabt. Ist aber leider alles nicht so gut wie früher die Bleimennige, da konnten auch mal winzige Durchrostungen im Blech sein und die Sache hielt trotzdem recht lange.
Das Problem bei den Spalten ist halt, daß hier immer Kräfte im Winkel von 90° von beiden Seiten ansetzen. Man kann sich das mal im Versuch verdeutlichen, indem man einmal zwei Blatt Papier mittels "Prittstift-Schweißpunkten" überlappend aneinanderklebt und dann eine Zugkraft an den beiden anderen Enden dieser Verbindung ausübt. Die Sache hält recht gut. Faltet man die beiden Blätter an der zu verbindenden Stelle um 90° nach hinten um, "schweißt" wieder wie gehabt und zieht dann, wird einem doch spätestens jetzt einiges klar! Zwei auf diese Weise verbundene Bleche arbeiten immer und irgendwann reißt erst der Decklack und dann auch die Dichtmasse an den Rändern ein, Wasser dringt ein und Kumpel Rost legt los!
Leider sind diese Verbindungen fertigungstechnisch sehr beliebt, denn man braucht im Prinzip nur einen Roboterarm mit einer kleinen Punktzange, um beliebig große Bleche vom Innenraum aus zusammenbraten zu können. Um die Taktzeit niedrig zu kriegen, setzt man zwar mehrere Roboter ein, aber die sind eben günstiger als die sonst notwendige, doppelte Anzahl, wenn jeweils ein Arm innen und einer außen Überlappverbindungen schweißen würden. Außerdem müßte man die Bleche in diesem Bereich vorher absetzen und anschließend vor der Lackierung spachteln, das macht die Geschichte aufwendig und eben nicht rationell. Glücklicherweise gibt es heutzutage Karroseriepressen, die machen dreimal "patsch" und dann kommt da fast ein Viertel Golf raus, so daß die Zahl der notwendigen Schweißverbindungen (und späteren Roststellen) sich immer weiter reduziert (Ich weiß, wovon ich rede, ich schreibe als Technischer Redakteur im Sondermaschinenbau die Betriebsanleitungen dazu).
Leider hilft dir das auch nicht viel weiter, denn als dein Auto gebaut wurde, war maximal mögliche Größe für ein Blechteil noch geringer und so kam es zu den vielen Spalten. Von hinten wurde dann noch satt mit Karosseriepampe abgedichtet, so daß einem sich entwickelnden Kleinbiotop auch stets optimale Umweltbedingungen geboten werden. Der beginnende Rost drückt die Pampe nach außen und speichert in den Hohlräumen die eindringende Feuchtigkeit für ein weiteres, gutes Gedeihen. Wenn auf der Vorderseite also bereits alles bröselt und der stochernde Schraubendreher auf einmal ins Leere stößt, sieht es auf der Rückseite schon grauenhaft aus.
Die gewünschten Antworten auf die besten Methoden muß ich also schuldig bleiben, die weiß ich auch nicht und die gibt es wohl auch nicht, denn solange noch Rost im Spalt sitzt und man nicht weiß, ob er vielleicht schon eine zweite Verbindung zwecks "Nachschub" nach außen hat, kann man die Sache nur von der Seite, an die man zunächst herankommt, dichtmachen und und den Bereich im Auge behalten. Aber zumindest habe ich mal versucht, das "Warum" zu erläutern und das hilft ja dann schon einmal weiter.
Zum Thema "Hallenplatz": Ich bin glücklicher Garagenbesitzer, für meine Zwecke reicht das, ansonsten mal an der Tankstelle Ausschau nach Besitzern gutaussehender Youngtimer halten, die kennen sich in der Region diesbezüglich meist gut aus.
Gruß
Thomas
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