Angepinnt Interview mit Timemax-Chef Gerd Cordes

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    • Interview mit Timemax-Chef Gerd Cordes

      Hallo zusammen,

      vor kurzem hatte ich die Möglichkeit, einige Fragen an Timemax-Geschäftsführer Gerd Cordes zu richten. Das Gespräch fand in den Firmenräumen in Hamburg-Jenfeld statt.
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      Infos zur Person:
      Gerd Cordes, Jahrgang 1964, absolvierte eine Ausbildung zum Industriemechaniker und studierte Kommunikationswissenschaften. Er lieferte als Testredakteur Beiträge für die Fernsehsendung „ARD Ratgeber Technik“, darunter auch zum Thema Rostschutz. Von Dezember 1998 bis März 2002 prüfte er für die Autobild die Langzeitwirkung von Hohlraumkonservierungen. 2004 wechselte er die Seiten und gründete die Firma Timemax, die sich auf Kfz-Korrosionsschutz mit eigenen Produkten spezialisiert hat.

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      Herr Cordes, Sie stecken hinter dem häufig diskutierten Hohlraumschutztest der Autobild. War dieser Test Ihre Idee?
      Ja. Von der Autobild war aber Wolf Gudlat als Gutachter dabei. Er hatte den guten Einfall, die Testkästen innen mit Winkelblechen zu versehen. Aber ansonsten war es mein Test.

      Gab es für Sie überraschende Ergebnisse?
      Kaum. Einen ähnlichen Test hatte ich zuvor für den Fernsehsender DSF gemacht. Daher wusste ich in etwa, wie es ausgeht.

      Würden sie den Test heute anders gestalten?
      Ich würde in jedem Blechkasten eine separate Testkammer hinzufügen, die unbehandelt bliebe. In diese Kammer müssten sich die Mittel nur durch Kriechwirkung hineinarbeiten. Der Test der Oldtimer Markt besitzt einen derart unterteilten Hohlraum, das war eine wirklich gute Idee vom Chefredakteur. Dieser Test hat dafür aber aus meiner Sicht ein anderes Manko. Die Kästen haben keine Ablauflöcher. Deshalb hat sich das Timemax-Mittel unten in sehr hoher Schichtdicke gesammelt. Beim Einsatz am Fahrzeug hingegen würde überschüssiges Material durch solche Löcher ablaufen.

      Was sagen sie zur Kritik am Autobild-Test, wonach man statt der Blechkästen auf einer Wiese besser echte Autos im fahrenden Betrieb genommen hätte?
      Das kann nicht klappen. Man braucht ein standardisiertes Prüfverfahren. Ein Beispiel: Jede Stelle am Unterboden ist anders durch Spritzwasser belastet. Bringt man am Auto mehrere Testbleche mit verschiedenen Mitteln an, dann sind diese unterschiedlichen Bedingungen ausgesetzt. Hohe Aussagekraft haben die Ergebnisse aber nur, wenn alle Mittel unter gleichen Voraussetzungen getestet werden. Dafür sind identisch gebaute Blechkästen am besten geeignet. Salzwasserduschen mit definierten Mengen trennen dann schnell die Spreu vom Weizen.

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      Wie erklärt sich das schlechte Abschneiden von Dinol Tuff-Kote im Autobild-Test?
      Die Verarbeitungsstation in Oldenburg hat es besonders gut gemeint und Unmengen hineingesprüht. Die Schicht geriet zu dick und brach auf. Es lag also weder an uns Testern noch am Produkt. Mit Dinol habe ich insgesamt ausgesprochen gute Erfahrungen gemacht. Auf unserer Internetseite findet man sogar einen Link zu Dinol unter "Empfehlungen".

      Warum werden Fette nicht von den Fahrzeugherstellern ab Werk eingesetzt? Geht man nach den bisher bekannten Tests, dann würden Fette das Autoleben deutlich verlängern.
      Dazu müsste man die Hersteller fragen, ob sie das überhaupt wollen. Außerdem ist Wachs billiger. Ein gutes Wachs kann fünf bis acht Jahre ausreichen, wie man am Golf II gesehen hat; am Unterboden findet man dagegen Durchrostungen.

      Gibt es Ihrer Meinung nach Soll-Roststellen an Autos?
      Darauf möchte ich lieber indirekt antworten. Man könnte jedes Auto so bauen, dass es 50 Jahre lang nicht durchrostet. Verzinkung ist dabei kein Allheilmittel. Zinkschichten werden heute so dünn aufgetragen, dass sie wenig bewirken. Besser wäre eine Rost vermeidende Konstruktion mit ausreichend großen Wasserablauflöchern und der richtige Einsatz von Aluminium.

      Wie hat sich der Kfz-Rostschutz im Lauf der Jahrzehnte entwickelt? Welches Jahrzehnt war der Tiefpunkt?
      Einen Neuanfang gab es, als sich die selbsttragende Karosserie mit den erforderlichen Hohlräumen allgemein durchsetzte. Über Rostschutz hat man sich in den frühen sechziger Jahren keine Gedanken gemacht. In den siebziger Jahren war es so schlimm, dass zum Beispiel ein Audi 100 schon nach zwei bis drei Jahren manchmal schweren Rost zeigte. Die Kunden beschwerten sich. Bei Audi hat dann Martin Winterkorn als Beauftragter für die Qualitätssicherung eine Wende eingeleitet. Auch die Autos anderer Hersteller wurden in den Achtzigern und frühen Neunzigern sehr haltbar gebaut, etwa der Golf II oder der Mercedes W 201. Das war manchen Verantwortlichen zuviel des Guten, und der Rostschutz wurde wieder etwas zurückgefahren.

      Warum habe Sie umgesattelt?
      Als Redakteur für Fernsehbeiträge beim NDR habe ich nach sechs Jahren keine große Perspektive mehr gesehen. Deshalb habe ich die Branche gewechselt.

      Im laufenden Oldtimer-Markt-Test hat Timemax die Nase vorn, gefolgt von Michael Sander mit seinem Korrosionsschutzfett. Warum können sich eher kleine Firmen vor den Branchenriesen wie Henkel, Valvoline oder 3M platzieren? Solche großen Konkurrenten haben doch mehr Geld und Fachpersonal zur Verfügung.
      Diese Konzerne könnten es auch. Sie liefern aber lieber Produkte für eine größere Zielgruppe, nämlich lösemittelhaltige Wachse zur schnellen Verarbeitung in einer normalen Autowerkstatt.

      Wie wird sich die Young- und Oldtimerszene entwickeln? Werden die Autos von heute in 30 Jahren überhaupt noch vertreten sein?
      Die heutigen Autos werden durch ein Versagen der Elektronik enden. Es dürfte später einmal schwierig werden, jemanden zu finden, der noch Elektronikschäden an 30 Jahre alten Autos beheben kann. Ich finde heutige Autos von der Form auch nicht sehr interessant.

      Welche Young- u- Oldtimer würden Sie empfehlen?
      Für Selbstschrauber sollte der Wagen einfach aufgebaut sein, und die Versorgung mit günstigen Ersatzteilen sollte stimmen. Wenn man diese Kriterien anlegt, wäre etwa der Triumph Spitfire ein guter Kauf, trotz des vielen Rostes. Ebenfalls empfehlenswert sind Ford Granada, alte Jaguar und die Mercedes aus den Sechzigern, Siebzigern und Achtzigern.

      Welche Neufahrzeuge sind besonders rostanfällig?
      Wohnmobile sind für ihren meist hohen Preis relativ schlecht gegen Rost geschützt. Bei Geländewagen liegt der Fall ähnlich. Die Bauweise dieser Fahrzeuge gleicht eher einem Lkw. Für die Hersteller war das wohl ein Grund, den Korrosionsschutz zu vernachlässigen.

      Wird die Entwicklung von Rostschutzmitteln irgendwann abgeschlossen sein, weil das perfekte Mittel gefunden wurde?
      Nein, es wird immer wieder neue Ideen geben. Und genügend Motivation ist vorhanden. Durch Korrosionsschäden geht jährlich eine Summe in Höhe von etwa 3 Prozent des Bruttoinlandsproduktes verloren.

      Sie schicken mittlerweile Probebleche in den Ballastwassertanks von Containerschiffen auf Weltreise. Wollen Sie in der Schifffahrt neue Kunden gewinnen?
      Das nicht. Die Probebleche sind in den Ballastwassertanks oberhalb des Wassers installiert, weil dort extrem rostfördernde Bedingungen herrschen. Die bisher längste Fahrt dauerte vier Monate und führte rund 70000 Kilometer über Fernost und den Pazifik bis nach Vancouver. Salzwasser, Luftfeuchtigkeit und tropische Hitze setzen dabei dem Rostschutz enorm zu. Danach hat man Klarheit, welche Mittel etwas taugen. Egal, ob es um Rostschutzfarben, Hohlraumschutz oder Produkte für den Unterboden geht.

      [Blockierte Grafik: http://www.abload.de/img/cordes-interview-01-18d7.jpg]

      Was ist von Ihnen in nächster Zeit zu erwarten?
      Wir testen ein Mittel namens Timemax Move, das sich besonders für Rost an Scheibenrahmen oder Verschraubungen eignet. Der erste Platz im Test der Oldtimer Markt beruht darauf, dass unser Fett besser kriecht und nicht abläuft. Move ist ein Konzentrat aus diesem Testsieger-System. Es soll besondere Kriecheigenschaften und Materialverträglichkeit vereinen. Mal sehen, wie es funktioniert. Anspruch ist, dass die Mittel sich auch unter widrigsten Bedingungen bewähren.

      Welche Autos haben sie besessen?
      Mein erstes Auto war ein Fiat 850 Sport Spider. Im Lauf der Jahre habe ich einige Saab 900 gefahren. Aktuelles Alltagsauto ist ein Mercedes-T-Modell der Baureihe W 124. Dazu kommen verschiedene alte Jaguar XJ, etwa ein 6-Zylinder von 1980 und ein 12-Zylinder von 1981 als rollende Testobjekte für neue Rostschutzmittel. Diese Autos eignen sich für die Tests mit Timemax Move besonders gut, weil sie am Scheibenrahmen rosten, und das Move ist dafür entwickelt. Es soll den konstruktionsbedingt vorhandenen Spalt zwischen Karosserie und Scheibenrahmen, in dem sich das Wasser sammelt, schützen.

      Herr Cordes, vielen Dank, dass Sie sich die Zeit genommen haben.