Grafit und Altöl als Hohlraumkonservierung

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    • Grafit und Altöl als Hohlraumkonservierung

      Hallo,

      früher hat man Grafitpulver mit Altöl gemischt um es als Hohlraumkonservierung verwenden zu können. Das Grafit hat eigentlich nur dazu gedient um das Öl dickflüssiger zu machen.

      Jetzt meine Frage... Abgesehen davon das es Umweltschädlich ist wenn es aus dem Fahrzeug tropft, wer hat von euch mit sowas erfahrung gesammelt? Früher wurde der Unterboden auch nur mit Öl eingestrichen um Rost zu unterbinden...

      Wie sind die Rostschutz bzw Rosthemmenden Eigenschaften von diesem Zeug? In erster Linie gehts mir darum wie es in Ritzen gekrochen ist usw...
    • RE: Grafit und Altöl als Hohlraumkonservierung

      Martininii schrieb:


      Das Grafit hat eigentlich nur dazu gedient um das Öl dickflüssiger zu machen.

      Nicht nur, Graphit hat als Festschmierstoff an bestimmten Stellen auch rosthemmende Wirkung. Weniger Reibung zwischen Blechen bedeutet auch weniger Rostgefahr. Von Meguin (Liqui Moly) gibt es ein Rostschutzsprühöl mit Graphit. Dazu vom Hersteller:

      "Rostschutzsprühoel mit Graphit ist ein dünnes Mineralöl, das sich leicht zerstäuben lässt. Es dringt gut in alle Blechspalten und -falze ein und breitet sich auf dem Boden des behandelten Fahrzeuges aus. Der sich bildende Film greift Gummiteile und geräuschdämpfende Bitumenmassen nicht an. Es schützt durch besondere Zusätze die Blechteile gegen Rost und wirkt zwischen scheuernden Blechteilen und Federblättern als Antiquietschflüssigkeit. Dieser Effekt wird durch den in dem Öl enthaltenen Graphit durch verminderte Reibung zusätzlich verstärkt." (Zur Produktseite)

      In einem Thread vor zwei Jahren ging es ja schon mal um Graphit als Zusatz zu Leinölfirnis ("Diamantfarbe") oder zu ähnlichen Mitteln wie Owatrol. Dazu bei dieser Gelegenheit ein Update:

      In der Oldtimer-Praxis von 12/95 gab es einen Restaurationsbericht zu einer Renault Alpine. Da schreibt der Besitzer: "Ich habe alles ausprobiert, Bleche behandelt und aufs Garagendach gelegt. Leinölfirnis mit Graphitpulver ist mit Abstand am besten. Da liegen heute noch Bleche von damals obendrauf und sind immer noch wie neu."

      Von einem finnischen Hersteller gibt es Diamantfarbe, also Leinölfirnis plus Graphit, als Schutzanstrich für Blechdächer, siehe hier.

      Abgesehen von der besseren Optik durch die grauschwarze Pigmentierung bieten die Graphitplättchen in Leinölfirnis auch eine zusätzliche Barrierewirkung. Nach meiner Erfahrung ist Leinölfirnis, ob mit oder ohne Graphit, aber nur ein Mittel für den mittelfristigen Schutz, allerdings mit sehr gutem Preis-/Leistungsverhältnis.

      früher hat man Grafitpulver mit Altöl gemischt um es als Hohlraumkonservierung verwenden zu können. (...) Wie sind die Rostschutz bzw Rosthemmenden Eigenschaften von diesem Zeug?

      Altöl enthält aggressive saure Verbrennungsrückstände, die von den Additiven nur begrenzte Zeit neutralisiert werden. Und Öl an sich erreicht nicht die Schichtdicke und damit auch nicht die Schutzwirkung von pastösen Mitteln wie MS-Fett oder PX-11 o.ä.
      Wenn es wegen der höheren Kriechwirkung etwas Öliges sein soll, dann besser Fluid Film Liquid A oder pures Leinöl nehmen.

      MfG, Hanseat [Blockierte Grafik: http://www.abload.de/img/vanishcbrh.gif]
    • RE: Grafit und Altöl als Hohlraumkonservierung

      Danke! Ich glaube du hast mir mit deinem Beitrag sehr geholfen!
      Maik Sanders fett verwende ich schon eine Weile. Meinen Alltagswagen, einen Astra F, hat es seit der Behandlung merklich das Leben verlängert. Da wo die Sonne direkt drauf scheint und das Fett bis zum fließen verflüssigt wird, dort finde ich es perfekt. Direkt im Schweller habe ich seit der Behandlung nur einmal, kurz nach der Behandlung das Fett heraus fließen sehen, seitdem nie wieder, weil es da unten einfach nicht warm genug wird. Dafür fließt das fett irgendwie ständig woanders heraus. Zumindest den 2. Sommer (3. Winter) ist das fett immer an den Türgriffen oder Heckstoßstange heraus geflossen.
      Die Billiglösung mit dem Altöl wäre nur für jene in Frage gekommen die jedem Cent hinterher hechelt... Aber das mit dem Leinenöl werde ich mir noch einmal herein ziehen ;)

      Danke also nochmal!
    • RE: Grafit und Altöl als Hohlraumkonservierung

      Martininii schrieb:


      Was passiert eigentlich wenn das Leinöl eintrocknet? Verharzt es dann die Blechnähte so das eine weitere Behandlung mit vieleicht Maik Sanders Fett nur bedingt schützend wirkt?
      Schwieriger Punkt. Leinöl pur trocknet nur langsam und bleibt wochenlang kriechfähig. Es ist sinnvoll, hinterher MS-Fett oder PX-11 aufzutragen. Grund: Leinöl ist nicht so standfest wie MS-Fett und würde allmählich durch Kondenswasser ausgewaschen. Auch wenn dieses Auswaschen einige Zeit dauert, so hält MS-Fett doch deutlich länger. MS-Fett obenauf würde die weniger standfeste Leinöl-Schicht also schützen. Ist im Grunde nichts anderes als das 2-Schicht-Verfahren, das momentan in einem anderen Thread dran ist.

      Unter bestimmten Voraussetzungen kann es einen Nachteil geben: Wenn man sehr dicke Rostschichten mit Leinöl behandelt, dann kann es eintrocknen, bevor es den Rost komplett durchdrungen hat. MS-Fett kann danach seine Vorteile nicht mehr ausspielen. Es ist ja dauerkriechfähig, aber diese Eigenschaft wirkt nicht mehr, weil das getrocknete Leinöl das MS-Fett von dem restlichen Rost abschirmt. Dieser Rost würde dann im Verborgenen unter der Leinölschicht weiter gammeln.

      Du musst eben abschätzen, wie viel Rost vorhanden ist und ob das Leinöl diesen Rost innerhalb von einigen Wochen ganz penetrieren wird. Bei Leinölfirnis kommt dieser Faktor noch mehr zum Tragen, weil der Firnis schnell trocknet und der Kriechvorgang innerhalb einiger Stunden beendet ist. Das gilt auch für Owatrol.

      Ein Ausweg wäre, statt Leinöl das dauerkriechfähige FF Liquid A zu nehmen, oder FF NAS / AS-R. Weiterhin sollten dicke Rostschichten immer weitmöglichst mechanisch entfernt werden, auch wenn das eine schwierige und unangenehme Arbeit ist.

      Direkt im Schweller habe ich seit der Behandlung nur einmal, kurz nach der Behandlung das Fett heraus fließen sehen, seitdem nie wieder, weil es da unten einfach nicht warm genug wird.

      Man kann der Kriechfähigkeit von MS-Fett oder PX-11 mit einer Heißluftpistole auf die Sprünge helfen. Das Zeug wird bei rund 60 Grad flüssig wie dünnes Öl und zieht dann sehr gut in Falze usw. hinein. Am besten mehrmals verflüssigen und wieder erkalten lassen. Nur etwas Vorsicht mit der Heißluftpistole, nicht zu lange auf eine Stelle halten. Und auch die unteren Hohlräume werden bei rund 30 Grad im Sommer warm genug, um Mike Sanders Fett oder PX-11 langsam weiter kriechen zu lassen. Ich starte heute mal einen Test, ob MS-Fett auch bei Zimmertemperatur noch etwas kriecht.

      MfG, Hanseat [Blockierte Grafik: http://www.abload.de/img/vanishcbrh.gif]
    • RE: Grafit und Altöl als Hohlraumkonservierung

      Den Test brauchts nicht machen-kriecht bei Zimmertemp. garantiert nicht. Das mit dem Fön hab ich schon mal gemacht. Aber ich war da nicht überzeugt genug. Im Schweller müsste man alle Öffnungen verschließen und das Fett ein paar Stunden "kochen" lassen. Einen Wärmestrahler zu verwenden ist da schon viel besser. Alles was oberhalb des Schwellers ist, wird im Sommer warm genug um das Fett flüssig genug werden zu lassen das es kriechen kann.
      Beim Rostschutz geht es meiner Meinung ja geradezu um "dicke" Rostschichten. Das Mittel was diese nicht durchdringen kann, hat in meinen Augen versagt, bzw ist für diese eine Anwendung ungeeignet! Denn Oldis die original bleiben wollen und nicht geschweißt etc die können schon mal irgendwo dickere Rostschichten besitzen...


      meinst du aber das wenn man Leinöl zuerst spritzt, das evtl mehrmals wiederholt, man das danach direkt mit Maik Sanders Fett behandelt, das dieses leinöl dann evtl doch nicht eintrocknet?

      Es geht mir jetzt erst einmal nur um eine "Low-cost"-Variante... Dieses Fett was in 3 verschiedenen Viskositäten zu haben gibt, meine ich das es sowieso das Beste ist. Mir fällt leider der name nicht ein.
    • RE: Grafit und Altöl als Hohlraumkonservierung

      Martininii schrieb:


      Beim Rostschutz geht es meiner Meinung ja geradezu um "dicke" Rostschichten. Das Mittel was diese nicht durchdringen kann, hat in meinen Augen versagt, bzw ist für diese eine Anwendung ungeeignet! Denn Oldis die original bleiben wollen und nicht geschweißt etc die können schon mal irgendwo dickere Rostschichten besitzen...

      FF Liquid A hat von den dauerkriechfähigen Mitteln die beste Kriechwirkung. Dazu kopiere ich mal was von mir aus einem anderen Beitrag:
      "Im hinteren Radkasten, rund um zwei Hohlraumstopfen, beulte sich heftiger Rost unter dem Steinschlagschutz. Mir fehlte damals die Zeit, also habe ich diese Stellen mit einer Einwegspritze und Kanüle erstmal reichlich mit Liquid A "geimpft" und das Öl an verschiedenen Stellen unter den PVC-Schutz gejagt. Als ich Monate später den unterrosteten Steinschlagschutz abgezogen haben, um die Stellen gründlicher zu sanieren, war der bröselnde Blattrost nicht mal zur Hälfte von dem Liquid A durchdrungen. Hat mich etwas enttäuscht. Diese Roststellen waren nur begrenzt, sie hatten weniger als zehn Zentimeter Durchmesser, trotzdem hat die Kriechfähigkeit des Liquid A nicht gelangt."

      An einem Querträger habe ich Liquid A mehrmals auf eine etwas dickere Blattrostschicht gestrichen, und es hat bis ins nächste Jahr gedauert, bis diese Rostschicht so weit durchdrungen war, dass sie sich von allein löste.

      Wenn es mit FF Liquid A nicht hinhaut, dann mit anderen Mitteln noch weniger. Daher setze ich nicht zu sehr auf Kriechwirkung (und auf Rostumwandler schon gar nicht). Zum Beispiel an einem Falz heißt das leider: Aufbiegen, dicken Blattrost mit einem alten Messer rauskratzen oder mit Hammer und Schraubenzieher mit durchgehender Klinge rauskloppen, Restbrösel mit Handdrahtbürste rausbürsten, dann mit Drahtbürste auf Flex oder Bohrmaschine nacharbeiten. Dann säubern, erst danach irgendein taugliches Mittel einsetzen.

      Es geht mir jetzt erst einmal nur um eine "Low-cost"-Variante... Dieses Fett was in 3 verschiedenen Viskositäten zu haben gibt, meine ich das es sowieso das Beste ist. Mir fällt leider der name nicht ein.

      Timemax, das gibt es aber nicht zu kaufen. Wird nur bei der Firma in Hamburg verarbeitet. Zur anderen Frage: Ob man Leinöl mit einer gleich folgenden Schicht MS-Fett vor dem Eintrocknen bewahren kann, weiß ich nicht.
      Low-Cost-Möglichkeit wäre Bio-Sägekettenöl aus dem Baumarkt. Das kriecht und bietet auch gewissen Korrosionsschutz. Habe ich selbst aber noch nicht probiert. Ebenfalls Low-Cost, aber sehr gut, ist PX-11 als Alternative zu MS-Fett. Dazu gibt´s hier im Forum einen langen, heftigen und zerfledderten Thread. PX-11 in Kombination mit einem Wärmestrahler - wie wär´s damit?

      Den Test brauchts nicht machen
      Zu spät, Test läuft bereits!

      MfG, Hanseat [Blockierte Grafik: http://www.abload.de/img/vanishcbrh.gif]